von Benedikt Manegold
Location-Based Augmented Reality
Location-Based Augmented Reality
von Benedikt Manegold
Location-Based Augmented Reality (LBAR) ist – wie der Name bereits deutlich sagt – eine Fusion der Augmented Reality-Technologie mit location-based Eigenschaften. Augmented Reality funktioniert als eine Schnittstelle zwischen der realen Umgebung des Nutzers mit Computer-generierten Inhalten. Diese virtuellen Daten (z.B. Grafik, Text, Video, Sound) reichern die Umwelt an. Location-Based Augmented Reality geht einen Schritt weiter und verknüpft diese Daten mit einem realen, physischen Ort. So können Nutzer die Inhalte nur dann abrufen, wenn sie sich tatsächlich an dem entsprechenden Ort aufhalten. [Komang Brata] Gleichzeitig können Nutzer mit diesen Anwendungen und unter Nutzung des GPS-Sensors zu den Locations navigiert werden. [Kleftodimos] Mit anderen Worten: Location-Based Augmented Reality schlägt eine Brücke zwischen der digitalen Welt und dem physischen Raum, dessen physische Umgebung mit digitalen Elemente angereichert wird. [Fonseca, Spangenberger et al.] Mit dieser Technologie lassen sich also durch den Einsatz virtueller Inhalte reale Points of Interest erstellen. Damit ist sie ein idealer Ansatzpunkt für eine AR-Zone, insbesondere eine modularisierte AR-Zone.
Potenzial von LBAR
In jüngster Vergangenheit setzen immer mehr Entwickler und Projektmanager auf LocationBased-AR. In Interviews, die Eva Langer mit Produzenten von AR-Anwendungen geführt hat, haben alle das große Marktpotenzial von Location-Based AR vor allem im Unterhaltungsbereich betont. Vor allem das Spiel “Pokémon Go” hat gezeigt, dass ortsbezogene AR-Inhalte das Potenzial haben, Menschen an bestimmte Orte zu locken.
Für die AR-Zone ist Location-Based Augmented Reality das grundlegende technische Prinzip. Durch den Einsatz lassen sich viele Points of Interest (POI) in der Innenstadt erschaffen. Da sie aber nur vor Ort in der Innenstadt zu erleben sind, lassen sich so Anreize kreieren, die Innenstadt zu besuchen. Dabei lassen sich diese flexibel gestalten und für verschiedene Funktionen einsetzen. Das AR-Modul “Public Art” macht digitale Kunstwerke in der Innenstadt erlebbar, wodurch die kulturelle Funktion der Innenstadt gestärkt wird.
Ebenso flexibel lässt sich LBAR mit vielen verschiedenen Endgeräten nutzen [ → AR-Devices ]. Dadurch ergibt sich eine sehr große Bandbreite an verschiedenen Graden der Komplexität der Anwendungen. Gleichzeitig ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Technik in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird und dadurch in Zukunft noch aufwändigere Anwendungen umsetzbar sein werden, die die Immersion der Nutzer noch weiter vertiefen.
In der AR-Zone kann das Potenzial noch weiter gesteigert werden. Insbesondere durch fest installierte Infrastruktur, die den Einsatz und die Nutzung von LBAR unterstützt. Die technischen Leistungsgrenzen von Endgeräten wie Handys und Tablets lassen sich so durch externe Technik umgehen. Damit sind Anwendungen möglich, die deutlich über den Funktionsumfang einer Stand-Alone-Lösung hinausgehen.
Geschichte der LBAR
Location-Based AR ist keine sonderlich neue Technologie, sie wird bereits seit ca. 2010 wird sie eingesetzt und weiterentwickelt. Seit dem Beginn der 2010er-Jahre sind Smartphones sehr viel leistungsstärker geworden. Damit konnten Mobil-Anwendungen programmiert werden, die von ihrem Funktionsumfang deutlich umfangreicher waren als frühere Apps. Die neuen Anwendungen reichten an Desktop-Anwendungen heran. Dieser technische Fortschritt machte aber auch die Technologie der Location-Based Augmented Reality für handelsübliche Smartphones erst möglich und damit verfügbar für eine breite Masse an Smartphone-Nutzern. [Geiger et al.]
Populär und in der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde LBAR aber schließlich durch den Entwickler Niantic: 2013 veröffentlichten sie das Spiel Ingress, bei dem Spieler mit ihrem Smartphone per GPS Portale entdecken können. 2016 legte Niantic nach: Pokémon Go machte in kurzer Zeit Millionen Spieler mit LBAR vertraut. Seitdem wird sie gerne in den Bereichen Unterhaltung, Bildung und Marketing eingesetzt. [Kleftodimos] Aber auch im Bereich der Exergames (Exercise und Games) spielt LBAR spätestens seit Pokémon Go eine wichtige Rolle. Entwickler sehen durch die Verbindung von LBAR und Gameplay-Elementen die Möglichkeit, die Spieler zu motivieren, sich zu bewegen und ihre Umwelt zu erkunden. [Saaty, Hagg et al.] Mehrere Spiele sind Pokémon Go in dem neuen Genre, das Location-Based Games getauft wurde, gefolgt. [Laato, Hyrynsalmi et al.]
Einsatzmöglichkeiten und Anwendungsfälle von LBAR
Mit Unterhaltung, Bildung und Marketing wurden bereits drei Bereiche genannt, in denen LBAR besonders oft eingesetzt wird. Das Internetportal identifiziert in seinem Überblicksartikel zu LBAR insgesamt fünf Anwendungsfälle bzw. -bereiche.
Bereits in LBAR und seiner Verwendung des Nutzerstandorts angelegt ist natürlich Navigation und Wegfindung. Über beispielsweise das Handydisplay erhalten die Anweisungen und Richtungsangaben, die über das Abbild der realen Welt durch die Kamera gelegt sind. Durch diese Einblendungen gelangen sie von ihrem aktuellen Standpunkt zum Zielort. Auf dem Weg können über das Display auch weitere Orte und Points of Interest (POI) ausgewiesen werden.
Daran angelehnt sind auch Tourismus und Sightseeing beliebte Anwendungsbereiche für LBAR. Touristen erhalten vor Ort, also beispielsweise direkt an einer Sehenswürdigkeit, Informationen oder Zusatzmaterial. Vor allem können aber auch POIs abseits der “offensichtlichen” Sehenswürdigkeiten entstehen, die weniger bekannt sind. In Verbindung mit der Navigation können auch mehrere Orte miteinander zu einer Tour mit einem thematischen Schwerpunkt verbunden werden.
Wie das Beispiel Pokémon Go und der Exergames gezeigt haben, bietet auch die Verbindung zwischen LBAR und Gaming sowie Unterhaltung viel Potenzial. Neben innerstädtischen Schnitzeljagden und Rätselaufgaben, die zu verschiedenen Orten in der Stadt führen, können in AR auch Räume insgesamt transformiert und zum Parcour oder Abenteuerspielplatz werden, wie beispielsweise in der Anwendung Dreampark.
