von Benedikt Manegold
Die „Modulomat“-Architektur: Systematik und Integration digitaler Assets
Die „Modulomat“-Architektur: Systematik und Integration digitaler Assets
von Benedikt Manegold
Um Anwendenden ein maßgeschneidertes und kontextbezogenes Erlebnis zu bieten, nutzt die Anwendung ein flexibles Asset-Management-Framework. Dieses System erlaubt es, alle digitalen Inhalte sowohl semantisch nach Themenkategorien (z. B. Kunst, Historie oder Infrastruktur) als auch nach ihrer technischen Objektart zu klassifizieren. Diese serverseitige Kuration sichert eine saubere visuelle Struktur und sorgt für eine intuitive Handhabung aufseiten der Creator und Endnutzenden.
Die im System implementierten Objektarten differenzieren sich durch ihre technischen Eigenschaften und Interaktionsmöglichkeiten:
1. Volumetrische und planare Geometrien (3D- und 2D-Objekte)
● 3D-Objekte: Hierbei handelt es sich um volumetrische digitale Modelle (z. B. Statuen, Rekonstruktionen oder Kunstobjekte), die frei im dreidimensionalen Raum platziert und verankert werden können. Sie reagieren dynamisch auf den Lichteinfall und die Position des Nutzers. ● 2D-Objekte: Diese Kategorie umfasst planare zweidimensionale Elemente wie Fotografien, historische Dokumente oder digitale Wandgemälde (Murals). Sie lassen sich entweder frei im Raum schwebend oder bündig an physischen Oberflächen wie Häuserwänden ausrichten.
2. Räumliche Informationssysteme (Info-Points)
Info-Points dienen als visuelle Schnittstellen zur strukturierten Wissensvermittlung über Text- und Bildmedien. Das System unterscheidet zwei funktionale Klassen:
● Editierbare Info-Points: Diese Module bieten Creatoren die Möglichkeit zur flexiblen In-situ-Editierung. Texte können direkt innerhalb der Anwendung über die virtuelle Tastatur modifiziert werden. Zudem stehen diese Panels in verschiedenen, skalierbaren Größenformaten zur Verfügung.
● Vorgefertigte Info-Points: Diese Vorlagen beinhalten bereits vordefinierte, fest programmierte Inhalte. Sie eignen sich besonders für komplexe Datensätze oder umfangreiche redaktionelle Texte, da sie den zeitlichen Aufwand bei der Einrichtung vor Ort minimieren.
3. Kollaborative Interaktionszonen (User Areas)
Um eine unkontrollierte Überfrachtung des öffentlichen Raums mit digitalen Inhalten zu verhindern, verfügt das System über ein raumbasiertes Rechtemanagement. Creator können über sogenannte User Areas präzise geometrische Zonen im städtischen Raum definieren, innerhalb derer auch Endnutzende die Berechtigung erhalten, Objekte zu platzieren. Administrativ lässt sich vorab exakt einschränken, welche Objektkategorien für die Nutzenden freigegeben sind. Dies sichert die visuelle Balance und die thematische Integrität des urbanen Erlebnisses.
5. Volumetrische Tiefenvisualisierung (X-Ray-Module)
Die X-Ray-Funktion ermöglicht den visuellen Durchblick durch physische Barrieren und legt verborgene Strukturen frei. Typische Anwendungsfälle sind der Blick in das Innere geschlossener historischer Gebäude oder die Sichtbarmachung unterirdischer Infrastrukturen wie Glasfaserleitungen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden, die auf statischen 360°-Panoramen oder flachen 2D-Projektionen basieren, nutzt diese Technologie echtes volumetrisches Rendering. Dadurch bleibt die räumliche Parallaxe aus jedem Blickwinkel absolut korrekt: Bewegt sich der Nutzer, verändert sich die Perspektive auf das verborgene Objekt vollkommen realistisch. Da diese visuelle Täuschung eine extrem hohe Immersion und ein starkes Präsenzerleben erzeugt, integriert das System visuelle Sicherheitsindikatoren. Diese verhindern, dass Nutzende aufgrund der wahrgenommenen räumlichen Tiefe real gegen geschlossene Türen oder Wände laufen. Die Interaktion erfolgt wahlweise über die Taschenlampen-Funktion für den Untergrund oder über ein portalähnliches Sichtfenster an Gebäudefassaden.
6. Dynamische Medienintegration (Videos)
Das System unterstützt zwei unterschiedliche Verfahren zur Einbindung von Bewegtbildinhalten:
● Virtuelle Screens: Das Videosignal wird auf eine planare 3D-Geometrie projiziert und agiert wie ein im Raum schwebender digitaler Bildschirm.
● Chroma-Keyed Billboard-Hologramme: Hierbei werden vor einem Greenscreen aufgezeichnete Personen freigestellt und als transparente Video-Elemente integriert. Durch die Anwendung eines Billboarding-Algorithmus drehen sich diese Avatare kontinuierlich mit der Bewegung des Nutzers mit. Es entsteht der optische Eindruck eines dreidimensionalen Hologramms. Diese Methode wird primär für die Benutzerführung, historische Inszenierungen oder als virtueller Tourguide bei Stadtführungen eingesetzt.
Modulare Erweiterbarkeit
Die Softwarearchitektur der Gesamtanwendung ist vollständig entkoppelt und erweiterbar konzipiert. Neue technologische Objektarten, innovative Interaktionsmuster oder zukünftige Medienformate lassen sich über standardisierte Schnittstellen (APIs) nahtlos in das bestehende System und das Auswahlmenü integrieren.
