von Benedikt Manegold
AR-Superkräfte
AR-Superkräfte
von Benedikt Manegold
Die sechs AR-”Superkräfte” – Nicht was, sondern wozu
Jeremiah Alexander hat überlegt, welche Superkräfte AR-Anwendungen ihren Nutzern zur Verfügung stellen. Dabei hat er das heutige Potenzial weiter in die Zukunft gedacht, unter der Annahme, dass die Technologie in den kommenden Jahren weitere – und signifikante Qualitätssprünge macht. Dabei hat er sechs “Superkräfte” identifiziert, die Nutzer von AR zukünftig durch die Technologie besitzen werden. Ob der Begriff “Superkräfte” vielleicht etwas hoch gegriffen ist, sei dahingestellt – im Folgenden wird er allerdings durch den Begriff “Fertigkeiten” ersetzt. Und auch wenn die Technologie nach heutigen Stand noch nicht alle von Alexanders Vorstellungen umsetzen kann, ist die Einteilung nach Fertigkeiten nützlich.
1. Holographische Projektion
Sie lässt dreidimensionale Projekte in der realen Welt erscheinen. Sie können eingesetzt werden, um Dimensionen oder Größenverhältnisse zu verdeutlichen, oder auch unsichtbare Phänomene, wie beispielsweise Schallwellen, sichtbar zu machen. Sie sind aber nicht an die Limitierungen der realen Welt gebunden, sondern können beispielsweise auch eine Biene groß wie ein Haus zeigen.
Beispiele:
1. Dino City Halle
2. Look Up, Sheffield!
2. Dimensionale Sicht
AR erlaubt es Nutzern, in andere Dimensionen zu blicken. Zum Beispiel können sie in die Vergangenheit blicken, etwa mit historischen Fotografien, die an ihrem Entstehungsort eingeblendet oder historische Fassaden über die aktuelle gelegt werden. Neben dieser teilweisen Überlagerung ist aber auch der Gang durch ein Portal möglich, die es erlauben, gänzlich in eine andere Dimension einzutauchen. Aber es lassen sich nicht nur Gegenstände zur Realität hinzufügen, auch die Substraktion ist möglich, beispielsweise das Ausblenden von Grafitti. Unterscheidungskriterium zur Holographischen Projektion und zur Teleportation: Zwischen den AR-Inhalten und dem Ort besteht eine Verbindung.
Beispiele:
1. On Set – Film in Berlin
2. Essen 1887
3. Hyperkompetenz
Alexander ist überzeugt, dass durch AR Menschen irgendwann in der Lage sein werden, völlig neue Aufgaben, die sie noch nie vorher getan haben, durchzuführen. Eines seiner Beispiele sind Operationen. Inwieweit diese Art der Hyperkompetenz realistisch ist, dass Menschen ohne medizinischen Hintergrund irgendwann Operationen durchführen können, sei dahingestellt. Der Begriff Hyperkompetenz soll trotzdem angewandt werden, in Anlehnung an Dörner et al. Denn auch sie schreiben AR das Potenzial zu, Laien komplexe und abstrakte Daten innerhalb der virtuellen Realität besser verständlich machen zu können:
“Zum Beispiel haben Architekten durch jahrelanges Studium und durch Erfahrung die Fähigkeit erworben, durch Betrachten von 2D-Bauplänen sich ein Gebäude vor ihrem geistigen Auge vorzustellen – viele Bauherren verfügen über diese Fähigkeit nicht. Virtuelle Realität kann die Daten in den Bauplänen […] so visualisieren, dass diese einen sehr guten Eindruck von dem Gebäude erhalten und Entscheidungen hinsichtlich Realisierungsalternativen fundierter treffen können.” [S. 9-10]
In diesem Sinne verwenden wir den Begriff der Hyperkompetenz.
Beispiele:
1. Peak Finder
2. cityscaper
3. Lowes Navigation
4. Shapeshifting
Shapeshifting beschreibt die Fähigkeit der Nutzer, ihre Form bzw. ihr äußeres Erscheinungsbild zu ändern. Beispielsweise können sie per digitaler Anprobe besser beurteilen, ob ihnen ein Kleidungsstück an ihnen gefällt oder nicht. Aber auch eher spielerische Anwendungsbereiche, wie beispielsweise Filter, die das Gesicht um Hasenohren und Hasennase erweitern, sind möglich und auch heute schon bekannt aus Social Media Apps wie beispielsweise Snapchat. Shapeshifting ermöglicht es dem Nutzer, zu sehen, wer er sein könnte. Es ist aber nützlich, um eine persönliche Bindung durch stark personalisierte Erlebnisse zu schaffen.
Beispiele:
1. Stirling XP
2. Brille Probieren
3. Snapchat App
5. Teleportation
Teleportation erlaubt es dem Nutzer, sich oder eine andere Person an einen anderen Ort zu teleportieren. Dabei werden sie in naher Zukunft die Form eines volumetrischen Hologramms haben. Neben der räumlichen ist auch die zeitliche Teleportation denkbar. Aber auch Gegenstände, die eigentlich zu sperrig für den Transport sind, lassen sich so als holographisches Abbild an andere Orte teleportieren. Diese Vision lässt sich heute bereits realisieren, allerdings nur in Form von bereits aufgenommen Videos realisieren. Die nächste Stufe ist dann die Übertragung in Echtzeit und live. Laut Alexander bringt Teleportation den Nutzer näher an die Menschen und Dinge, die ihm wichtig sind.
Beispiele:
1. Konzerthaus Plus Quartett
2. Stirling XP
3. WDR Zeitzeugen
6. Telekinese
Mit Telekinese steuern Nutzer echte Objekte, ohne physisch mit ihnen zu interagieren. Stattdessen werden Gestensteuerung oder visualisierte Kontrollpanele genutzt. Für ihn ist es eine Zukunftsvision, irgendwann Geräte zu nutzen, die ohne Bedienfelder auskommen. Stattdessen lässt sich die Mikrowelle beispielsweise über ein AR-Gerät steuern. Telekinese schafft neuartige Interfaces und Steuerungssysteme.
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Beverungen, Daniel; Becker, Jörg; Gadeib, Andera; Schmitz, Gertrud (Hgg.): Interaktive Einkaufserlebnisse in Innenstädten. Digitale Dienstleistungen mit der smartmarket²-Plattform (2022).
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cima.monitor: Deutschlandstudie Innenstadt (2024). https://cimamonitor.de/deutschlandstudie-innenstadt/
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Deutscher Städtetag: Zukunft der Innenstadt. Positionspapier des Deutschen Städtetags (2021).
https://www.staedtetag.de/positionen/positionspapiere/2021/zukunft-der-innenstadt -
Deutsches Institut für Urbanistik: Frischer Wind in die Innenstädte (2022).
https://difu.de/publikationen/2022/frischer-wind-in-die-innenstaedte -
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation: ELASTICITY. Experimentelle Innenstädte und öffentliche Räume der Zukunft (2021).
https://publica.fraunhofer.de/entities/publication/56bd6924-9470-41c9-9321-380acf421bd9 -
Küffmann, Karin; Meickmann, Lena; Veith, Tobias: Digitalisierung für eine besucherorientierte Innenstadt? Stadtentwicklung über digitale Informationswege und -aktiviatoren zur einer stärkeren Besucherbindung neu denken (2025).
